Es gibt viele Gründe, Latein zu lernen!
Wir möchten Ihnen einige davon präsentieren:

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Unter der Überschrift "Oft Hilft nur der Crash-Kurs" berichtete die
Süddeutsche Zeitung im Wissenschaftsteil vom 6.11.2001:
Auch in Zeiten von
E-Learning, Bachelor und Master werden in den meisten Fächern Lateinkenntnisse verlangt
"Ihr kennt doch Alete", wirft Kursleiter Christoph Schmid in die Runde. Und alete leite sich vom lateinischen alere - ernähren ab. "Mars macht mobil" fällt einem ein. "Nivea", setzt sein Banknachbar obendrauf. Der Ausflug ins populäre Latein der Werbebranche sorgt für Heiterkeit in Hörsaal 3086 der Berliner
Humboldt-Universität (HU). Ein bisschen Spaß muss ja auch sein. Die 30 Teilnehmer am Intensivkurs haben's ja schon schwer genug: Lingua
Latina steht auf dem Stundenplan: vier Stunden pro Tag, fünf Tage die Woche, drei Wochen insgesamt. Fabian ist vielleicht der Prototyp in dieser Runde: Der Geschichtsstudent muss ohne Vorkenntnisse bis zur Zwischenprüfung Lateinkenntnisse nachweisen. Zwei Semester bleiben ihm dafür. An der Schule hätte er dafür immerhin einige Jahre Zeit gehabt.
Zwar hat die Sprache der Humanisten vielerorts Federn lassen müssen, doch die als alter Bildungszopf verschrieene "tote Sprache" hat man trotzdem nirgendwo gänzlich aus den Studienordnungen verbannt. Auch in den heutigen Hochschulen, wo bits und bytes,
e-learning und Master Degrees die Debatten beherrschen, wird sie den Studierenden abverlangt. Viele Universitäten haben sich inzwischen zwar vom Latinum, der bundesweit einheitlichen und von den Kultusbehörden der Länder durchgeführten Lateinprüfung verabschiedet und begnügen sich mit "lateinischen Sprachkenntnissen", die Studierende mit Teilnahmebescheinigungen an Kursen oder hausinternen Klausuren nachweisen. Doch auch die sind nicht ohne.
Um "Grundkenntnisse" nachzuweisen, die man an der HU für die Magisterstudiengänge in Germanistik, Geschichte und Philosophie braucht, muss Student immerhin zwei Einführungskurse besuchen und für jeden wöchentlich vier Stunden investieren. Studenten der Musikwissenschaft, Anglistik oder Kulturwissenschaft müssen bis zur Zwischenprüfung noch einen Lektürekurs "Cäsar" draufsatteln. Und der ist nur dann bestanden, wenn die Übersetzung eines Cäsar-Textes mindestens mit "ausreichend" bewertet ist. Vom Niveau, so Lateindozent Anton Orlt vom
HU-Sprachenzentrum, komme das dem Latinum schon sehr nahe.
Dem Trend weg vom Latinum hat sich die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München nicht angeschlossen. An der LMU, die bundesweit als die
Latein-Hochburg gilt, wird das Latinum in der Regel für alle philologischen und geisteswissenschaftlichen Fächer verlangt, rund 70 an der Zahl. Nun bringen bayerische Schüler, das Land hat den höchsten Anteil Latein-lernender Schüler bundesweit, vielfach das Latinum schon aus dem Gymnasium mit.
Wer aber über keine Vorkenntnisse verfügt, wird bis zur Zwischenprüfung, also binnen vier, Semester, das bewältigen müssen, wofür er an der Schule bis zu sechs Jahre Zeit gehabt hätte. Entsprechend dicht ist das
Curriculum. Vor allem das aufwändige Lernpensum parallel zur normalen Studienbelastung lässt viele dabei verzweifeln
- erst recht, wenn in ihrem Fachstudium weniger das sture Pauken als vielmehr das Einordnen und Bewerten gefragt ist.
Warum sie jetzt Latein lernen muss, hat auch Marie Dörsing immer noch nicht ganz eingesehen. Die Kunstgeschichtsstudentin an der Freien Universität Berlin hat sich für einen sechswöchigen Crashkurs entschieden. Kurse privater Sprachschulen sind die großen Nutznießer der
Latein-Misere an deutschen Universitäten. Sie bieten gegen Bares kleine Gruppen, Individualität und eine intime und konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Bei Marie hat sich denn auch zum Frust ein wenig Lust gesellt: "Hier bekomme ich soviel mit, Allgemeinbildung, Kulturgeschichte, gute Ausdrucksweise. Die 730 Mark Kursgebühren sind gut investiert". Hans Christof Wagner
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